Selbstbestimmte Trennung in der Kita: Die Zwillinge H. und S. gehen gemeinsam in eine Kitagruppe. Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, wo H. entschied lieber in eine andere Gruppe als ihre Zwillingsschwester gehen zu wollen. Wie es dazu kam und was dies verändert hat, erzählt uns ihre Mama.

Deine Zwillingsmädchen waren zusammen in einer Kitagruppe. Was war der Ausschlag dafür, dass Ihr sie gemeinsam in eine Kitagruppe gegeben habt?

H. und S. kamen mit 11 Monaten in die Kita. Da sie sehr aneinander hingen und sich sichtlich auch als Sicherheit brauchten, war für uns als Eltern klar sie zusammen in einer Gruppe zu lassen und nicht einfach pro forma zu trennen, weil man das so macht, für die bessere Entwicklung etc.
Für mich war klar, dass wir als Eltern das Bestimmen und nicht der Kindergarten. Das haben wir auch klar reflektiert.

Wie lief die Zeit in einer gemeinsamen Gruppe an? Wie ging es den Zwillingen damit?

Den Kindern ging es mit dieser Entscheidung sichtlich gut. Die Eingewöhnung dauerte halt ihre Zeit, aber für mich war das kein Grund zur Beunruhigung. Die Beiden hatten sich als Sicherheit und das war auch gut so.

Dann hat sich die Zwillingsbeziehung mit der Zeit verändert, inwiefern?

Mit der Zeit zeigte sich das S. sehr abhängig von H. wurde, oder besser sie machte sich ihr Leben einfacher in dem sie H. oft vorschickte um Sachen zu regeln oder in die Bresche zu springen bei Konflikten. Auch Zuhause wurde dieses Verhalten von S. immer deutlicher und H. steckte oft zu Gunsten von S. zurück

H. hat mit der Zeit immer öfter geäußert, dass sie lieber in eine andere Gruppe als S. wollte. Was waren ihre Gründe?

H. hatte scheinbar schlichtweg keine Lust mehr darauf für S. das Dienstmädchen, Streitschlichter oder der Spielkamarad zu sein und sich ihrem Spiel zu unterwerfen.

Welche Überlegungen von Euch als Eltern und den Erziehern gab es im Hinblick auf eine mögliche Trennung?

Der Kindergarten wollte die Zwillinge schon letztes Jahr trennen, da wollten die Kinder das aber absolut nicht. Also war für uns als Eltern klar – die bleiben zusammen bis sich etwas ändert.
Diese Änderung kam von H. und auch wir Eltern suchten das Gespräch mit dem Kindergarten, die der selben Ansicht waren. Es musste nur ein Konzept her wie es laufen kann. H. konnte sich nach wie vor am Fenster der initialen Gruppe von mir verabschieden und mir winken und ist dann wie selbstverständlich rüber in ihre neue Gruppe gegangen.

Wie ist S. mit der Gruppentrennung umgegangen?

Erstaunlich gut. Es wurde vorher besprochen dass sie etwas mehr Exklusivzeit mit Erziehern bekommt und auch bei Aktivitäten, wie Backen oder ähliches mitgenommen wird. Es wurde auch vorab besprochen, dass sie ihre Schwester besuchen darf, wenn sie sie vermissen sollte. Das ist bis dato noch nicht eingetreten

Konntet Ihr direkte Veränderungen bei den Zwillingen in ihrer Entwicklung beobachten, die Ihr oder die Erzieher auf die Gruppentrennung zurückführt?

Sophie wurde selbständiger, zeigte sich im Kindergarten anfangs sehr angepasst, aber Zuhause bekam ich ihren ganzen Unmut zu spüren. Dann platzte irgendwann ihr Knoten und sie sagte mir “Keiner hätte SIE gefragt”. Auf meine Frage was sie meinte, sagte sie mir das sie das doof findet. Nach einigem hin und her war mir klar was sie meinte, dass ihre H. nicht mehr da ist. Das war ein einschneidender Eingriff in ihr Sicherheitskonzept.
Für uns war klar, dass wenn S. leiden würde und wir negative Auswirkungen bemerken würden, wir uns was Anderes überlegen müssen.

H. ist direkt am ersten Tag in der neuen Gruppe (S. ist in der bekannten Gruppe geblieben) aufgeblüht. Jeden Freitag gab es ein kurzes Feedbackgespräch mit den Erziehern und man sagte mir H. bereichert die Gruppe. Mit ihrer Art und ihren Ideen.

Was hat sich aus Deiner Sicht mit dem selbstbestimmten Trennungswunsch bei der Zwillingsbeziehung verändert?

Nach anfänglichen Konflikten über die Selbstverwirklichung von H., entspannte sich die Situation in sonst eher Konfliktsituationen zunehmend.
S. wurde deutlich selbständiger in vielen Dingen und kann jetzt auch ihre Bedürfnisse äußern.

H. ist nicht mehr genervt von ihrer Schwester und konnte sich sichtlich entfalten, dies zeigt sich auch deutlich in ihrer Kleidungswahl – schicker und anders wie ihre Zwillingsschwester S.

Was würdest Du rückblickend anderen Zwillingseltern als Tipps mit auf den Weg geben?

Genau auf seine Kinder zu schauen, einfach auf sein Bauchgefühl zu hören und nicht immer auf das was die Fachleute sagen,

oder weil man das so macht und das besser so ist,

oder weil wir das immer so machen.

Das sind keine kindgerechten Argumente.

Wenn die Kinder sich nicht trennen wollen, dann so lassen, das Bedürfnis kommt von alleine. Wenn einer den anderen gegenüber klar dominant und der Bestimmer ist, würde ich eine Trennung anraten.

Danke, dass Du Deine Geschichte der selbstbestimmten Trennung in der Kita mit uns geteilt hast. Dies gibt sicher vielen Zwillingseltern Anregung sich nicht verunsichern zu lassen und den Blick auf ihre Kinder zu richten.Für Euch alles Gute!

Mehr zu diesem Thema kannst Du in unserem Beitrag: Gemeinsame oder getrennte Klasse- Der Blick auf die Zwillingsbeziehung hilft, nachlesen.

Anmerkung: Auf Wunsch der Familie haben wir die Namen abgekürzt, um die Anonymität zu wahren.

 

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