Über die personalisierte Ansprache bei Zwillingen

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„Mama, sag nicht immer „IHR“! „Ich habe doch gar nichts gemacht!“ weist mich Zwillingsherzdame 2 zurecht. Und Recht hat sie. Schon wieder ist es mir ohne nachzudenken herausgerutscht. Doch glücklicherweise sind meine Zwillingsherzdamen mittlerweile alt genug, dass sie dies direkt an mich kommunizieren können. Meine persönliche Reflektion über die personalisierte Ansprache bei Zwillingen:

Zwillinge und doch so verschieden

Bereits in der Schwangerschaft zeigten mir die zweieiigen Zwillingsherzdamen, wie verschieden sie sind. Während Zwillingsherzdame 1 eine immer entspannt im Bauch lag und manchmal schwer mit dem CTG zu finden war, turnte die Schwester fleißig herum und boxte. Als sie auf die Welt kamen, hatten sie unterschiedliches Gewicht, verschiedene Haarfarben und vollkommen verschiedenen Charaktere. Auch wenn sich beispielsweise die Haarfarbe nun deutlich mehr ähnelt, sind die Unterschiede immer schon deutlich gewesen. In Familie und Freundeskreis lachen wir bereits darüber, wie sehr sich die Beiden in so vielen Aspekten unterscheiden, eher gegenteilig als ähnlich sind. Wir waren also nie dazu verleitet, sie in einen Topf zu schmeißen, sondern uns ihrer Individualität mehr als bewusst.

Der Vergleich läuft indirekt mit

Selbstverständlich läuft ein direkter Vergleich immer mit, doch achte ich sehr darauf all die kleinen und großen Unterschiede nicht direkt an die Zwillingsherzdamen zu kommunizieren. Jeder Zwilling hat sein eigenes Tempo schrieb ich einmal und dies beobachte ich immer noch mit Faszination. In manchen Aspekten ist Zwillingsherzdame 1 deutlich weiter als ihre Schwester, in anderen genau andersherum. Daher bemühe ich mich diese Unterschiede nicht gegenüber den Zwillingsherzdamen hervorzuheben. Möchte vermeiden mit dem kommunizierten Vergleich das eine oder andere Kind möglicherweise unter Druck zu setzen, ein Gefühl der Unzulänglichkeit zu fördern.

Gerade weil ich Zwillinge habe, habe ich mich also von Beginn an viel mit dem Thema Individualität beschäftigt. Wie Du diese fördern kannst, darüber haben wir hier bereits einmal berichtet und auch aufgegriffen, dass eine individuelle Ansprache für ihre Persönlichkeitsentwicklung ungemein wichtig ist.

Und hier merke ich, wie es manchmal bei mir hakt, mir ein IHR statt ein DU entfleucht.

Mama, warum sagst Du IHR?

“Was habt IHR denn hier veranstaltet?”

“Warum habt IHR das vergessen?”

“IHR sollt Euch doch nicht ständig gegenseitig ärgern!“

Drei Beispiele aus den letzten Tagen, in denen Zwillingsherzdame 2 jedes Mal sagte: „Aber Mama, ich habe doch gar nichts gemacht! Warum sagst Du dann IHR?“

Ich entschuldige mich, sage ihr, dass sie vollkommen Recht hat und es mir leid tut, ich mehr darauf achten werde. Und bin erstaunt, wie oft es mir doch wieder rausrutscht. Mit jedem Mal mehr ärgere ich mich und bin gleichzeitig froh, dass ich meinen persönlichen kleinen Reminder durch meine Tochter habe, die mich immer wieder daran erinnert. Die mir hilft mich zu reflektieren, meine Aussagen differenzierter zu treffen.

Erkenntnisse

Mir fällt auf, dass ich an entspannten Tagen sehr wohl sehr differenziert und personalisiert Aussagen treffe, in Stresssituationen, wenn der Tag sehr anstrengend war, mein Nervenkostüm dünn ist, dann ist sie wieder da, die Verallgemeinerung.

Wie heißt es so schön? Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung und im Sinne meiner Kinder versuche ich nun differenziertere Aussagen zu treffen, sie nicht in einen Topf zu schmeißen, Verallgemeinerungen zu vermeiden. Und wenn es dann doch einmal entfleucht, dann bitte ich direkt um Entschuldigung.

Ich bin dankbar, dass meine Kinder keine Scheu haben mich auf Dinge die sie stören aufmerksam zu machen, sie auszusprechen und ihre Wünsche und Bedürfnisse direkt kommunizieren. Auch ich habe jeden Tag die Möglichkeit Dinge anders zu machen, von jedem Kind zu lernen. Und parallel erfahren meine Kinder, dass wir alle, auch wir Eltern, Fehler machen und das ist für die Kinder aus meiner Sicht eine wichtige Erkenntnis. Eine Erkenntnis die ebenfalls einen Einfluss auf ihre Persönlichkeitsentwicklung hat.

Nun bin ich natürlich ganz gespannt. Wie ist es bei Dir mit der persönlichen Ansprache bei deinen Zwillingen? Kennst Du das, dass Du sie mit manchen Aussagen pauschal in einen Topf schmeißt? Wie gehen Deine Kinder und Du damit um? Oder ist es dies gar kein Thema?

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