Fine ist alleinerziehende Mama von Zwillingen. Im Blogmagazin spricht sie darüber welchen Herausforderungen sie im Alltag begegnet, was ihr Entlastung verschafft und welche Tipps sie anderen alleinerziehenden Eltern mit auf den Weg geben möchte.

In unseren Erfahrungsberichten erzählen Zwillingseltern über ihre intimsten Erfahrungen und Erlebnisse. Wir sind sehr dankbar, für das uns entgegengebrachte Vertrauen, diese Erfahrungen und Erlebnisse anonym oder namentlich veröffentlichen zu dürfen. Damit eröffnet sich die Möglichkeit ein vielfälltiges Bild an Empfindungen, Entscheidungen, Lebenswegen und Erfahrungen zu zeigen und einen respektvollen, wertschätzenden und bestärkenden Austausch zu ermöglichen. Wir sind selten ganz allein mit unseren Erlebnissen und Empfindungen. Wenn diese Erfahrungsberichte es schaffen, Menschen zusammen und in Kommunikation zu bringen, ist ganz viel gewonnen.

Welche Sorgen haben Dich in der Schwangerschaft / mit Babys beschäftigt nachdem deutlich wurde, dass Du Dich als Löwenmama alleine um die Kinder kümmern wirst?

Ich war erst nach der Geburt wirklich alleine. Mein Exmann hat noch bei uns gewohnt und vor der Geburt auch viel Unterstützung versprochen. Die dann allerdings gänzlich, bis aufs runter tragen, ausblieb. Die Räumliche Trennung erfolgte nach 14 Monaten. In der Corona Zeit gab es so gut wie keine Wohnungen.

Da stellte ich mir nur noch die Fragen:

Wie bekomme ich beide Kinder aus dem 3. Stock samt Taschen herunter?

Und mit Einkauf wieder hoch?

Ich konnte beide weder oben noch unten allein lassen, da sie sich sonst die Treppen hinunter gestürzt hätten und bitterlich geweint.

Dann hatte ich höllische Angst, dass mir bei meiner chronischen Müdigkeit und mir als Tollpatsch generell ein dummer Unfall passiert. Was mache ich, wenn mir etwas passiert zuhause?

Die Kinder würden schreien und weinen und so schnell würde niemand nachsehen kommen. Hilfe holen können sie nicht.

Es ging mir einige Male gesundheitlich so schlecht, dass ich fast bewusstlos geworden wäre. Ich konnte es in dem Zustand nie zum Arzt schaffen mit den beiden und der kassenärztliche Notdienst wollte niemanden vorbei schicken. Ich habe dann immer meiner Mutter Bescheid gegeben, die zweimal den Notarzt rufen musste.

Es waren eigentlich banale Krankheiten, die sich aber aufgrund der absoluten Unmöglichkeit des Ausruhens extrem verschlimmert hatten.

Heute wissen die Kinder sehr genau wie sie an Hilfe kommen. Können alleine die Haustür öffnen und bei Nachbarn klingeln. Sie verstehen einiges an Gebärden, sodass ich auch ohne zu sprechen kommunizieren kann.

Außerdem kam dann auch der Aspekt der Partnerschaft auf: Wer nimmt mich noch mit 24 Jahren und 2 Kleinkindern?

Hast Du irgendeine Form von Unterstützung als alleinerziehende Mama von Zwillingen erhalten?

Finanziell gab es vom Jobcenter und der Caritas viel Unterstützung. Da wir generell nur gebraucht und nur das nötigste Kaufen, hat es gut für die Erstausstattung und auch noch ein halbes Jahr nach der Geburt gereicht.

Aber ich bin sehr froh meine Eltern zu haben, besonders meinen Papa, der nie zögern würde seinen Enkeln etwas zu kaufen. Auch, wenn ich es eher selten in Anspruch nehmen möchte.

Meine Mutter kam anfangs einmal die Woche putzen bei uns & für wichtige Termine hat sie die beiden schlafend im Wagen geschoben.

Wie lange hast Du Elternzeit genommen?

Da ich schon am Ende meiner Ausbildung zur Erzieherin schwanger war, hatte ich keinen festen Arbeitgeber. War sowieso direkt im Beschäftigungsverbot.

Bei Jobcenter werden standardmäßig drei Jahre Elternzeit gemeldet. Da ich diese so oder so nehmen wollte, hat dies auch gepasst.

Ich wollte für die Eingewöhnung in einer Einrichtung die Zeit haben, die sie brauchen. Außerdem musste ich erst sehen im welchem Umfang ich wirklich arbeiten gehen kann. Mit Kindern kann man das leider nicht immer so genau planen.

Nun werde ich im September 2022 als selbstständige Mütterpflegerin anfangen und bin schon sehr gespannt wie ich dann Kinder, Arbeit und Haushalt meistern werde.

Wie reagiert das Umfeld auf Dich als alleinerziehende Mama von Zwillingen?

Die meisten Fragen sich oft wie ich das schaffe und bewundern mich dafür, dass ich es schaffe. Viele von ihnen kennen auch meine Kinder und sehen, wie umfangreich meine Erziehung ist.

Seltener bekomme ich Mitleid, meist von Fremden.

Wie bewältigst Du den Alltag mit zwei Kindern?

Viel Ruhe, Geduld, Planung, Routinen und Abläufe.

Nach einem Nervenzusammenbruch wieder aufstehen und weiter machen.

Viel Vertrauen in die Kinder, aber auch hohe Erwartungen an die Kinder.

Den Alltag vereinfachen mit Minimalismus.

Ich sehe uns drei als Wohngemeinschaft. Wir alle haben bestimmte Bedürfnisse, die wir irgendwie beachten müssen. Die Grundbedürfnisse gehen immer vor. Und ich kann natürlich im Gegensatz zu den Kindern auch geduldig sein.

Aber was sie alleine können, müssen sie auch alleine tun. Sie haben genauso Verantwortung für Sauberkeit und Ordnung in der Wohnung wie für ihre Sachen. Und Verantwortung für sich selbst. Alles natürlich entwicklungsgemäß angepasst.

Aber alleine geht es sonst nicht anders.

Was ist Deine größte Herausforderung im Alltag mit den Zwillingen?

All unseren Bedürfnissen gerecht zu werden.

Wann und wie kannst Du Kraft für den ereignisreichen Alltag schöpfen?

Einmal im Monat fahren wir für ein Wochenende zu meinen Eltern. Dort darf ich ausschlafen und bin eigentlich bis zum Schlafen bei den Kindern sowieso abgeschrieben. Das Haus und der Garten + Oma und Opa sind einfach 1000x interessanter.

Bis vor kurzem noch: den Mittagsschlaf mitmachen und früher eins der 2-3 Schläfchen am Tag mithalten.

Seit sie in der Kita sind hab ich auch tagsüber mal 1,5h Zeit in Ruhe Dinge erledigen oder Termine zu machen.

Wann hast Du Deine Zwillinge in Betreuung gegeben und wie hat sich dies angefühlt?

Durch das Alleinerziehendsein wollte ich sie statt mit geplant drei Jahren bereits mit 1,5 Jahren stundenweise bei einer Tagesmutter abgeben.

Nach 15 verschiedenen Kennlerngesprächen dachte ich die richtige gefunden zu haben. Die Eingewöhnung war allerdings der Horror und nach 2 Vormittagen und dann wesensveränderten Kindern, habe ich sie dort wieder rausgenommenen. Ein halbes Jahr später musste ich von der Polizei leider erfahren, dass sie dort körperlich und psychisch misshandelt wurden und definitiv ein Trauma erlitten haben. Besonders meine Tochter hatte noch über acht Monate danach zu kämpfen.

Dann haben wir endlich Kita Platze für beide ab April 2022 in der 2. Wunschkita bekommen.

Mit dann überwundenem Bindungstrauma und in psychologischer Begleitung war die Eingewöhnung nicht leicht, aber sehr gut. Die Leitung und Erzieher sind toll. Sehr liebevoll, immer ein offenes Ohr und eine offene Tür. Ein perfekter Blick für die Bedürfnisse und den Entwicklungsstand des Kindes, aber auch der Eltern.

Jetzt fragen sie schon nach einem Tag Wochenende, ob es wieder in die Kita geht. Nur der Mittagsschlaf wird von meiner Tochter partout verweigert. Aber da sind die Erzieherinnen und ich in enger Zusammenarbeit und glauben daran, dass auch sie irgendwann dort schlafen wird.

Welche Tipps hast Du, die Elternteilen in einer ähnlichen Situation weiterhelfen können?

  • Nehmt Hilfe an! Fragt nach Hilfe!
  • Baut euch euer Dorf! Es ist extrem unnatürlich 24/7 allein mit einem oder mehrenden Kindern zu sein.
  • Lasst euch alles liefern, was ihr braucht. Es gibt so viele tolle Seiten dafür.
  • Gönnt euch eine Putzhilfe oder einen Babysitter.
  • Je nach Möglichkeit stundenweise Kita oder TaMu in Anspruch nehmen. Sie müssen ja nicht die vollen 6-8h da sein. Selbst 2-3h 3x die Woche können Wunder bewirken!
  • Unbedingt Mütterpflegerin für Wochenbett oder Krankheitsfall engagieren! (Wird von Krankenkassen als Haushaltshilfe bezahlt)

Was hättest Du Dir von Deinem Umfeld an Unterstützung gewünscht?

Mehr Angebote die alltäglichen Aufgaben zu übernehmen wie Kochen, Putzen, einkaufen.

Und natürlich stundenweise Kinderbetreuung.

Keine Kommentare wie „Du hast dir doch ausgesucht Kinder zu haben!“

Ja natürlich, aber ich habe mir nicht ausgesucht alleinerziehend zu sein und keine Unterstützung in der Erziehung sowie im Haushalt zu haben und mit den psychischen Folgen einer Misshandlung umgehen zu müssen. Sowohl bei den Kindern, als auch bei mir.

Liebe Fine, wir danken Dir so für Dein Vertrauen mit uns Deine Geschichte zu teilen. Du bist eine starke Frau und wir wünschen Dir, dass diese Stärke durch die Liebe Deiner Zwillinge und viel Unterstützung von Deinem Umfeld gewürdigt wird.

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