Babyschlaf: Wieso schlafen alle anderen Kinder, nur meine nicht?

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„Wieso schlafen alle anderen Kinder, nur meine nicht?“

Dieser innerliche Vorwurf hat uns als Eltern in den ersten zwei Lebensjahren jede Nacht begleitet. Der Blick nach links und rechts tat uns nicht gut, denn es hat mich als Mutter enorm unter Druck gesetzt. Die anderen Kinder schliefen alle eher ein, schliefen länger, schliefen nahezu durch – höher, schneller, weiter – ganz wie im Wettbewerb. Dabei sollten wir Eltern uns beim Thema Babyschlaf Scheuklappen aufsetzen und uns nur auf uns als Familie fokussieren.

Durchschlafen ist kein biologischer Standardprozess

Erst ab einem Alter von ungefähr sechs Monaten ist die Schlafarchitektur eines Säuglings nahezu ausgereift und dies bedeutet, dass es seinen Schlaf-Wach-Rhythmus auf den Tag-Nacht-Wechsel abgestimmt hat.
Ab dem Zeitpunkt kann es, rein biologisch betrachtet, ca. sechs Stunden ohne Nahrungsaufnahme auskommen und somit „durchschlafen“. Diese Information gibt aber niemand an unsere Babys weiter 😊.

Wenn wir beim Babyschlaf von Durchschlafen sprechen ist damit nicht gemeint, dass ein Baby ab einem halben Jahr seinen gesamten Nachtschlafbedarf durchschläft. Es ist evolutionär bedingt völlig normal und richtig, dass ein Baby mehrfach nachts wach wird. Denn

Deine Babys kontrollieren, ob noch alles in Ordnung ist.

  • Sind meine Bezugspersonen bei mir?
  • Habe ich ein Hungergefühl?
  • Fühle ich mich wohl in meiner Haut oder ist evtl. die Windel voll?

Und nicht nur das –

die Evolution bringt viel mehr mit sich:

Evolutionsbiologen haben diverse Hypothesen zum nächtlichen Erwachen aufgestellt. Eine davon besagt, dass das nächtliche Aufwachen und damit verbundene Stillen den Eisprung der Mutter hemme (Prolaktin wird ausgeschüttet), was zur Folge hat, dass diese nicht so zeitig ein Geschwisterchen erzeugen kann. Dies hat vor vielen tausend Jahren das Überlebensrisiko des erstgeborenen Kindes deutlich erhöht. (Quelle: David Haig von der Harvard University)

Es gibt weitere Theorien, weshalb das nächtliche Aufwachen überlebenswichtig für einen Säugling ist. Es gilt als möglicher Faktor, das Risiko auf plötzlichen Kindstod zu reduzieren. Der Anthropologe J. McKenna beschreibt, dass die beruhigenden Worte und behütenden Berührungen einer Mutter beispielsweise den Herzschlag des Babys erhöhe und damit die Blutzirkulation anrege und viele weitere physiologische Reaktionen hervorruft.

Das Wohlbefinden und die Gesundheit von uns Eltern spielen evolutionär betrachtet leider keine primäre Rolle. Durch die moderne kulturelle Haltung zum Schlafverhalten von Babys & Kleinkindern ist der nächtliche Konflikt zwischen Eltern und ihren Kindern quasi vorprogrammiert.

Es gibt kein Richtig oder Falsch – hört auf euer Bauchgefühl!

Es gibt diverse Tabellen und Richtwerte, wie lange ein Baby tagsüber und nachts schlafen sollte, um sich körperlich und geistig positiv zu entwickeln. Sobald das eigene Baby von dieser künstlichen „Norm“ abweicht, machen wir uns Gedanken und Vorwürfe.

Mein Rat an euch Eltern:

Bildet eure eigene Norm, schaut nicht nach links oder rechts. Hört auf euer Bauchgefühl und beobachtet euer Kind in seinem ganz individuellen Schlafverhalten. Damit findet ihr den Rhythmus, den euer Kind braucht. Und wenn ihr diesen gefunden habt, ohne euch in ein Korsett von Vorgaben zwängen zu wollen, geht es euch als Eltern viel besser.

Jede Familie ist anders. Jede Familie hat ihren ganz eigenen Rhythmus, am Tag sowie in der Nacht. Jede Familie hat ihre individuellen Bedürfnisse und Prioritäten. Daher ist es die Aufgabe von uns Schlafberater*innen, euch in diesem Prozess zu begleiten und dabei zu helfen, eure eigenen familiären Ziele zu finden und dahin zu gelangen, damit ihr eure Tage und Nächte harmonisch erlebt.

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