Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Bei Zwillingen kann es manchmal schwer fallen, jeden Zwilling in seiner Entwicklung individuell zu betrachten. Was mich meine Zwillingsherzdamen gelehrt haben, möchte ich mit Dir anhand meiner Erfahrungen in den letzten Jahren hier teilen.

Letzte Woche war es soweit. Die Zwillingsherzdamen sind das erste Mal von der Schule aus alleine nach Hause gegangen, haben alleine mit dem Schlüssel die Türen geöffnet und waren im Anschluss für eine dreiviertel Stunde ohne Eltern zu Hause. Zwar sind sie des Öfteren schon alleine nach Hause gegangen, doch bisher haben sie immer geklingelt und wurden dann von Mama oder Papa in die Arme geschlossen. Und nun, zum ersten Mal, war alles ihnen überlassen und sie waren stolz. Stolz, dass sie alles alleine, aber gemeinsam, bewältigt hatten. Auf die Frage ob sie dies nun öfter einmal machen möchten, sagte Zwillingsherzdame 1: „Auf keinen Fall, ich möchte lieber, dass Du mich abholst“, während Zwillingsherzdame 2 sagte: „Oh ja Mama, ich möchte eigentlich immer alleine nach Hause gehen.“

Dies ist eines dieser Beispiele, woran sich mir wieder zeigt, dass jeder Zwilling sein eigenes Tempo hat, seine individuelle Entwicklungsstufe. Ich finde dies immer wieder total spannend, denn sowohl ich, als auch andere Eltern stellen sich und anderen immer wieder Fragen wie:

  • Wann ist der richtige Zeitpunkt mit Beikost anzufangen?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt abzustillen?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt den Schnuller abzugewöhnen?
  • Wann ist der Zeitpunkt, dass Kinder trocken werden?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt das erste Mal bei einem Freund/ einer Freundin zu übernachten?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt sie einmal für einen Moment unbeobachtet alleine zu lassen?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt sie alleine zur Schule gehen zu lassen?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt sie alleine zum Einkaufen zu schicken?
  • Wann ist der richtige Zeitpunkt sie alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren zu lassen?

Der individuelle Zeitpunkt

Und ich lerne bei jedem Mal, dass es diesen Zeitpunkt zwar gibt, aber dieser auch bei Zwillingen sehr individuell sein kann.

  • Sie unterschieden sich mit dem Zeitpunkt der Beikostreife,
  • sie bekamen zu verschiedenen Zeitpunkten Zähne,
  • sie fingen um einige Wochen zeitversetzt an zu laufen,
  • sie waren zu verschiedenen Zeitpunkten trocken,
  • sie  haben sich zu anderen Zeitpunkten getraut bei einer Freundin zu übernachten,
  • sie sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus dem Schlaf im Elternbett herausgewachsen.
  • Und  nun möchte eine gerne alleine nach Hause gehen, während die Andere lieber abgeholt werden möchte.

Wenn ich es rückblickend in den letzten Jahren betrachte, war es eigentlich sehr selten, dass die Zwillingsherzdamen einmal den annähernd gleichen Zeitpunkt in ihrer individuellen Entwicklung trafen.

Ich persönlich, finde diesen Aspekt des individuellen Tempos bei Zwillingen sehr faszinierend. Denn ich ertappe mich manchmal die Entwicklung der Zwillinge zu vergleichen, da sie nun einmal zum gleichen Zeitpunkt geboren sind, gleich alt sind und sich die oben genannten Fragen für uns als Eltern zu gleichen Zeitpunkten stellen.

Was mich meine Zwillinge gelehrt haben

Mich persönlich haben die Entwicklungsschritte meine Zwillingsherzdamen viel gelehrt. Zum Beispiel, dass all die orientierenden Meilensteine, die in Büchern, Apps und Medien, aber auch bei Fachpersonal kommuniziert werden, einen Mittelwert darstellen, als Orientierung dienen (können). Manches mal treffen ein oder auch beide Kinder genau dieses zeitliche Mittel. Oft auch nicht. Gerade wir Eltern, die diese Erfahrungen mit unseren ersten Kindern das erste Mal machen, sind nicht selten verunsichert. Wir suchen Orientierung, wir suchen Erfahrungswerte oder auch Richtwerte, an denen wir bemessen können, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt ist. Dies gibt uns in irgendeiner Form Halt, kann aber zur Verunsicherung führen, wenn ein oder beide Kinder nicht dem orientierenden Mittel entsprechen.

So ging und geht es auch mir. Doch je länger ich Mama bin, je mehr die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt durch jedes Kind individuell beantwortet wird, desto weniger interessieren mich Entwicklungskalender oder der vorgebliche richtige Zeitpunkt.

Ich habe gelernt, dass meine Kinder, jedes für sich, ihr eigenes Tempo haben. Dass der richtige Zeitpunkt früher oder später ist. Zwei Menschen, zwei Entwicklungsstufen, ob Zwilling oder nicht.

Mich von Entwicklungsplänen und Richtwerten zu lösen, empfinde ich als sehr befreiend. Der Blick richtet sich wieder vollkommen auf meine Kinder. Auf jede der Zwillingsherzdamen ganz individuell. Sie werden ihr eigenes Tempo gehen und mir ihren persönlich richtigen Zeitpunkt zeigen. Ich bin gespannt auf alles was da noch kommt.

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