Die große Beikostfrage bei Zwillingen: Wann? Was? Wie?

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Ich erinnere mich noch genau an die große Beikostfrage. Meine Zwillinge wurden die ersten 6 Monate sowohl gestillt, als auch teilgestillt. Ich habe Muttermilch abgepumpt und wenn die Muttermilch nicht reichte, mit PRE – Säuglingsmilch gefüttert. Monatelang gab es ausschließlich Milch, doch irgendwann kam das Thema Beikost immer öfter auf.  Und wie bei vielen Eltern damit einhergehend auch die Fragen:

  • Wann sind die Zwillinge bereit für die Beikost?
  • Wie führt man diese ein?
  • Brei und / oder Fingerfood? Baby Led Weaning?
  • Welche Lebensmittel führt man ein?

Puh, ich hatte das Gefühl die Beikosteinführung ist eine Wissenschaft für sich. Geht es Dir ähnlich? Dann möchte ich Dir hier aus meiner heutigen Sicht als Stillberaterin AFS und Fachkraft für Baby Led Weaning, gerne Antworten auf diese Fragen geben. Denn hätte ich damals diese Informationen gehabt, dann wäre ich sicher viel entspannter mit diesem Thema umgegangen.

Wann sind die Zwillinge bereit für die Beikost?

Ganz zu Beginn muss ich diese Frage mehr differenzieren. Denn auch beim Thema Beikost gibt es nicht „die Zwillinge“, sondern nur einen individuellen Entwicklungsstand und damit auch eine individuelle Beikostreife. Dies bedeutet, jeder Deiner Zwillinge kann zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt Interesse am Essen entwickeln und auch zu verschiedenen Zeitpunkten Beikostreif sein. Du fragst Dich was diese Beikostreifezeichen sind?

Diese 3 Zeichen zeigen Dir, dass einer oder beide Zwillingsbabys reif für die Beikost sein können:

  1. Ein oder beide Zwillinge können mit wenig oder keiner Unterstützung alleine z.B. auf dem Schoß sitzen
  2. Ein oder beide Zwillinge, führen Gegenstände selbstständig in den Mund, die Hand-Augen-Mund-Koordination ist also bereits ausgeprägt
  3. Ein oder beide Zwillinge befördern Dinge die ihnen an bzw. in den Mund gehalten werden, nicht automatisch mit der Zunge wieder heraus. Sie haben den sogenannten Zungenstoßreflex vollständig verloren.

Eine schöne Entwicklung, aber nicht als definierte Zeichen für die Beikostreife, können z. B. sein:

  • Ein oder beide Zwillinge zeigen Interesse am Essen, z.B. verfolgen sie Dich wenn Du Essen greifst und isst und schmatzen zum Beispiel mit.
  • Ein oder beide Zwillinge, können den Kopf gut alleine halten.

Wann diese Beikostreifezeichen eintreten, ist von Baby zu Baby unterschiedlich. Es gibt Babys, die diese sehr früh, auch vor dem 6 Monat zeigen, andere sind etwas später dran. Das kann auch schon mal im 8 Lebensmonat sein.

Wichtig für Dich ist also auf Deine Babys zu schauen und Dich nicht von der Werbung, Lebensmittelindustrie oder Freunden und Bekannten verunsichern zu lassen.

Deine Babys zeigen Dir wann sie soweit sind!

Offiziell soll abhängig von der Entwicklung Deiner Kinder frühestens ab dem 5. Lebensmonat und spätestens zum 7. Lebensmonat, Beikost angeboten werden. Beikost ersetzt im Übrigen keine Mahlzeit, sondern sollte bestenfalls unter dem weiteren Stillen bzw. der Gabe von Säuglingsmilch, nach Bedarf angeboten werden.

Wie führe ich Beikost ein?

Essen macht Freude! Gemeinsam am Tisch essen, ist ein schönes und verbindendes Erlebnis. Gemeinsames Essen bedeutet auch, dass Du Deine Babys gut bei ihrem Essverhalten, z.B. beim Greifen, Kauen, Schlucken, beobachten kannst. So hast Du die Möglichkeit sie immer besser im Hinblick auf ihr individuelles Essverhalten kennenzulernen. Nicht zu vernachlässigen ist, dass Du z.B. bei der Gabe von Fingerfood oder dem selbstständigen Löffeln, die Möglichkeit hast auch etwas zu essen. Fütterst Du beide Zwillinge gleichzeitig, dann kann das gerne einmal vergessen werden.

Daher überlege Dir, wie Ihr Eure Esssituation am Besten vorbereitet. Hast Du zwei Hochstühle, so dass Du beide Zwillinge dort hinein setzen kannst? Nimmst Du einen Zwilling auf den Schoß? Ist es für Dich sicherer, erst einmal Beiden in der Babywippe sitzend, Beikost anzubieten?

Bist Du Dir nicht sicher bezüglich des Zungenstoßreflexes, dann kannst Du ihnen vor der Beikosteinführung, ein Löffelchen in die Hand geben. Kauen und schleckern sie daran herum, ohne diesen direkt aus dem Mund zu befördern, dann können die ersten Beikostangebote starten.

Entspannt bleiben ist das A und O. Wie auch beim Stillen oder Füttern von Säuglingsnahrung, kannst Du  die Beikost immer nach Bedarf anbieten. Irgendwann werden sie ihr Interesse daran entdecken. Dann wenn jeder Deiner Zwillinge bereit ist. Starre Beikostpläne mit Vorgaben, wann was einzuführen ist, erzeugen nur Druck. Diesen können Deine Babys nicht gebrauchen und Du als Zwillingsmama oder –papa schon gar nicht!

Brei und / oder Fingerfood?

Lebensmittel können in verschiedenster Zubereitungsform angeboten werden. Es gibt die Möglichkeit diese in Form von feinem Brei, etwas gröberen Brei mit Stückchen oder auch als Ganzes, in handgerechter Größe, anzubieten. Du musst Dich nicht für das Eine oder Andere entscheiden. Du kannst kombinieren und Deine Babys einfach probieren lassen. Bei Fingerfood wirst Du staunen, was sie bereits alles greifen können und auch wenn zu Beginn mit dem Löffel mehr auf und unter dem Tisch, statt im Mund landet, werden sie irgendwann mit ihrem Löffel essen.

Essen ist ein sensorisches Erlebnis. Deine Babys kannten bisher den Geschmack von Muttermilch oder Säuglingsnahrung. Da sind bereits, die in unseren Augen milden Lebensmittel, eine reine Geschmacksexplosion.

Auch die verschiedenen Konsistenzen von z.B. Brot, Kartoffel oder Mango, gilt es zu entdecken. Einige werden sie ggf. gleich wieder aus dem Mund befördern. Kein Problem, einfach ein anderes Mal nochmals anbieten.

Zu Beginn werden sie vielleicht gerade bei Fingerfood viel in den Händen zermatschen oder im Mund mehr darauf herum nuckeln, als es wirklich zu essen. Auch das ist kein Problem, sondern gehört zum Entdecken von Beikost mit dazu. Durch den Speichel erhalten sie trotzdem die enthaltenen Nährstoffe, da diese dadurch im Mund freigesetzt werden.

Vielleicht hilft Dir bei dieser Thematik auch, Dein eigenes Essverhalten zu reflektieren. Wie gehst Du mit neuen und ungewohnten Lebensmitteln um? Zu Beginn wirst Du sie vorsichtig probieren und kauen, wenn es schmeckt, schluckst Du es herunter, wenn nicht, dann beförderst Du es heraus. Ebenso, machen dies unsere Kinder, also alles ein ganz typisches Verhalten.

Probieren, geht also über studieren. Bleib entspannt!

Keine Milchmahlzeit muss ersetzt werden. Je älter sie werden, je bereiter sie für Beikost sind, desto mehr und vielfältiger werden sie essen, wenn Du es ihnen anbietest.

Ich möchte auch kurz ein paar Worte zu der Menge verlieren. Deine Kinder müssen ihr natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl erst noch entwickeln. Wird ihnen mit Druck mehr als der aktuelle Bedarf angeboten, dann kann dies die Entwicklung dieses individuellen Hunger- und Sättigungsgefühl beeinflussen. Versuche daher nicht auf die Mengen zu schauen oder diese tagtäglich zu vergleichen. Es gibt Tage da hat man mehr Hunger, an anderen Tagen weniger. Das kennst Du auch von Dir, oder?

Welche Lebensmittel kann ich einführen?

Sicher kennst Du die offiziellen Empfehlungen, die im Beikostplan erhalten sind. Hier wird schrittweise eine neue Zusammensetzung eingeführt. Beginnend mit dem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, gefolgt von Vollmilch – Getreide Brei und Getreide- Obst Brei. Dies kann Dir zwar als Orientierung dienen, aber lass Dich davon nicht unter Druck setzen. Denn es braucht keine festen Mahlzeiten, sondern Du bietest nach Bedarf zusätzlich zur Milchnahrung an.

Denk daran: Du führst BEIkost ein und nicht ANSTATTkost.

Weiterhin kannst Du bis auf wenige Ausnahmen viele milde Lebensmittel anbieten, die ungewürzt und weich sind an. Sei es die gekochte Kartoffel oder Möhre, Banane oder Mango, Ihr seid frei die Dinge auszuprobieren. Auf harte, ungekochte Lebensmittel, Nüsse und Gewürze, solltest du zu Beginn vollkommen verzichten.

Selbstgekochetes ist wunderbar. Frische Lebensmittel sind gesund und enthalten alle wichtigen Nährstoffe. Doch nicht jede Familie hat Zeit, Nerv oder Lust jeden Tag zu kochen, gerade mit zwei Babys. Hier ist Vorkochen und das Einfrieren kleiner Portionen sehr hilfreich oder auch der Griff zu einer der diversen Fertigbreie. Hier solltest Du darauf achten, dass diese auf das Alter Deiner Babys zugeschnitten sind.

Wie oben beschrieben, kannst Du die Beikosteinführung auch für Dich selbst nutzen und Dir wieder die Möglichkeit geben, auf regelmäßiges und ausgewogenes Essen zu achten. Warum nicht gemeinsam für Dich und Deine Zwillinge kochen, etwas für sie abzweigen bevor Du würzt und dann gemeinsam am Tisch genießen?

Du siehst, was ich Dir vor allem mitgeben möchte, ist:

Nimm den Druck heraus. Es braucht keine fixen Pläne, keinen Druck, sondern Beikostreife, Angebot und viel Freude am Entdecken.

Bleib entspannt, denn je entspannter Ihr die große Beikostfrage bei Zwillingen anggeht, desto mehr Freude macht es.

Viel Freude beim Entdecken!

Unterschrift Inga Es sind zwei

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Umfrage Beikost

In welcher Form hast Du Beikost bei Deinen Zwillingen eingeführt?

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