Lange waren die Zwillingsherzdamen im Krankenhaus. Noch länger benötigten wir unsere Zeit, um als Familie anzukommen und uns kennenzulernen. Wir nahmen uns Zeit uns im Alltag einzufinden, soweit man das Leben mit Zwillingsbabys eben Alltag nennen kann. Wir wickelten und versorgten, wir schliefen und gingen spazieren, wir kuschelten und ich pumpte. Wir genossen diese Zeit, die wir gemeinsam hatten und auf die wir so lange warten mussten. Wir lebten in unserer kleinen Familienblase. Ich kannte bis dahin keine weiteren Mütter, gar Zwillingsmütter und sehnte mich nach Austausch. Also beschloss ich nach einer Krabbelgruppe für Zwillinge zu suchen.

Krabbelgruppe ja, aber nicht für Zwillingseltern

Obwohl ich in der Hauptstadt lebe, gab es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Angebote speziell für Zwillingseltern. Kein Problem, dann sollte es eben die Babykrabbelgruppe um die Ecke sein. Ich meldete uns für kleines Geld an und freute mich darauf endlich mit anderen Eltern in Kontakt zu kommen.

Am Tage des ersten Treffens versuchte ich pünktlich um 15 Uhr dort anzukommen. Schnell noch beide Kinder stillen bzw. mit abgepumpter Milch versorgen, beide Kinder anziehen, die Wickeltasche vorbereiten und los ging es im Zwillingskinderwagen.

Dort angekommen, erwartete mich ein Raum ausgelegt mit Matten und einige Mütter mit einem Baby. Ich stellte den Zwillingskinderwagen ab, nahm ein Kind in die Trage, eines in den Arm und betrat den Raum. Die Augen im Raum richteten sich beim Eintreten mit Stauen auf mich. Ich grüßte in die Runde und legte erst ein Baby ab, um das andere aus der Trage zu nehmen. Niemand half, alle schauten. Ich pellte Zwillingsherzdame 1 aus ihrem Winteranzug, nahm dann Zwillingsherzdame 2 und pellte dies aus ihrer Kleidungsschicht. Die anderen Babys lagen nah beieinander und der direkte Vergleich zeigte gleich, dass meine Zwillingsfrühchen deutlich kleiner und schmaler waren. Langsam entwickelten sich Gespräche unter den Müttern und das Erstaunen, dass unsere Kinder zwar gleichen Alters waren, doch offensichtlich meine Kinder deutlich kleiner, zarter und weniger weit in der Entwicklung. Es machte sich eine gefühlte Betroffenheit bei den anderen Müttern breit, sie fassten mich wie mit Federhandschuhen an. Ich war die Ausnahme von der Regel.

Ein merkwürdiges Gefühl machte sich bei mir breit. Ich sehnte mich nach Austausch und merkte doch wie unsicher die Mütter mir gegenüber waren. Sie wirkten blockiert, wussten augenscheinlich nicht wie sie mit mir, einer Frühchenmama, umgehen sollten.

Schnell fing eine meiner Töchter an zu weinen. Ich nahm sie auf den Arm und versuchte sie zu trösten. Wie so oft bei Zwillingen, stieg die Schwester kurzerhand mit in das Weinen ein, also nahm ich diese auch auf den Schoß. Alle starten mich betroffen an. Schauten. Aber halfen nicht, boten keine Hand an.

Da sich meine Töchter nicht beruhigen ließen, entschloss ich zu gehen. Ich legte also ein weinendes Baby ab, während ich die weinende Zwillingsschwester wieder in die Wintersachen einpackte. Dann wechselte ich die mittlerweile brüllenden Zwillinge und versuchte die Schwester anzuziehen. Mein Stresspegel stieg an, ich wurde immer gehetzter und alle Blicke waren auf mich gerichtet.

Ich versuchte so gut eben möglich schnell aus der Situation zu kommen, es war wie ein Fluchtinstinkt.

Es war für mich und die Kinder eine neue, ungewohnte Situation und ich fühlte mich alles andere als wohl. Ich fühlte mich wie die Ausnahme von der Regel.

Hätte ich einfach um Hilfe gebeten, wäre sicher eine der Mamas bereit dazu gewesen. Doch um Hilfe zu bitten fällt und fiel mir schon immer schwer. Leider hat auch keine der Mamas von sich aus Hilfe angeboten, vielleicht weil sie selbst unsicher waren.

Mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich die Zwillinge endlich wieder im Kinderwagen hatte und mich auf den Weg nach Hause machen konnte.

Im Anschluss habe ich noch zwei Mal an den Treffen teilgenommen. Aber wirklich wohl fühlte ich mich nie.

Eine Krabbelgruppe für Zwillinge

Kurzerhand entschloss ich selbst eine Krabbelgruppe für Zwillinge anzubieten. Ich mietete einen Raum, verteilte Flyer und war voller freudiger Erwartung.

Zum ersten Treffen meldeten sich vier weitere Zwillingsmamas an. Ich war glücklich! Und was für ein Bild: fünf Zwillingskinderwagen nebeneinander und ein Raum voller Zwillingsbabys und ihrer Mamas.

Von Beginn an war eine wunderbar angenehme Atmosphäre im Raum. Jeder Mama die den Raum betrat wurde Hilfe angeboten und das trotz der eigenen zwei Babys, die auf den Spielmatten lagen. Sofort gab es Gesprächsthemen, Verständnis und vor allem Hilfe, wenn eine Mama auf Toilette, die Kinder an- oder ausziehen musste. Endlich gab es den Austausch den ich mir gewünscht hatte. Endlich war ich keine Ausnahme von der Regel, sondern eine unter anderen.

Den Zwillingstreff habe ich ca. ein Jahr lang gemacht und es war ganz wunderbar. Leider schafften wir Zwillingseltern es nur unregelmäßig uns zu treffen. Das Leben mit zwei Babys zeitlich selten wirklich planbar. Trotzdem bin ich froh, es selbst in die Hand genommen zu haben. Auf Gleichgesinnte getroffen zu sein und den Austausch gefunden zu haben, den ich in diesem Moment brauchte. Mein Eindruck bis heute ist, dass wir Zwillingseltern einfach ein anderes Verständnis füreinander haben, als Eltern in anderen Situationen. Aber dies ist mein ganz persönlicher Eindruck.

Nun interessiert mich natürlich sehr, welche Erfahrungen Du mit Krabbelgruppen gemacht hast. Konntest Du eine Krabbelgruppe für Zwillinge besuchen? Warst Du die Ausnahme von der Regel? Hast Du Dich aufgehoben gefühlt und den Austausch erhalten den Du Dir gewünscht hast?

Falls Du auf der Suche nach einem Zwillingstreff in deiner Nähe bist, dann schau doch gerne einmal in unseren Lokalteil.

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