Seit ich Zwillingsmama bin, habe ich einen Schatten der mich stets und ständig begleitet, das schlechte Gewissen. Das schlechte Gewissen, basierend auf dem Gedanken den beiden Zwillingsherzdamen nicht im gleichen Maße gerecht zu werden.

Dies begann mit der Geburt, wo ich nicht ständig bei ihnen sein konnte, da sie auf der Neonatologie lagen.

Es war existent als ich einen Zwilling stillte, während die Andere vorrangig Muttermilch bekam.

Es war präsent, wenn eine der Zwillingsherzdamen weinte und ich gerade die Zwillingsschwester stillte oder wickelte.

Es war gegenwärtig, wenn beide gleichzeitig weinten.

Es war vorhanden, wenn eine der Zwillingsherzdamen so krank war, dass ich mich mehr um sie als um die Schwester kümmern konnte.

Es existiert, wenn ich mit einer der Zwillingsherzdamen mehr für die Schule üben muss als mit der Anderen.

Es ist präsent, wenn eine der Beiden mehr Aufmerksamkeit verlangt, als die Andere und ich mich darauf einlasse.

Das schlechte Gewissen ist also ein Teil meines Zwillingsmamadaseins. Doch die Fragen die ich mir im Laufe der letzten Jahre immer häufiger stellte sind:

Muss ich diesen Anspruch an mich beiden Kindern im gleichen Maße gerecht zu werden, überhaupt an mich stellen?

Ist es nicht so, dass die Kinder es gar nicht anders kennen, als dass die Aufmerksamkeit mal bei der Einen, als auch bei der Anderen liegt?

Ist es nicht so, dass jeder Zwilling für sich, sich die Aufmerksamkeit holt die gerade benötigt wird?

Ist dies nicht ein Aspekt des Zwillingselterndaseins, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf zwei Kinder aufteilen müssen?

Hier unterscheiden wir Zwillingseltern uns nicht von Eltern mit Geschwisterkindern. Mit dem einzigen Unterschied, dass Zwillinge sich meist im selben Entwicklungsstadium befinden, während Geschwister, ggf. auf Grund des Altersunterschiedes, verschieden gelagerte Bedürfnisse haben.

Als ich mich näher mit dem schlechten Gewissen beschäftigte, wurde mir klar, dass dies ein selbstgemachter Druck ist. Ein Anspruch an mich selbst, keine der Zwillingsherdamen bevorzugt zu behandeln oder zu vernachlässigen. Doch bedeutet das zeitlich verzögerte Teilen der Aufmerksamkeit, Bevorzugung oder Vernachlässigung? Ich meine nein, denn beide erhalten die Aufmerksamkeit die sie benötigen. Nicht gleichzeitig, nicht sofort, aber zeitversetzt. Sie werden keinen Schaden davon tragen, wenn sie einen Augenblick oder auch einmal länger warten müssen. Sie kennen es nicht anders.

Ich nehme die Bedürfnisse beider Kinder wahr. Ich ignoriere sie nicht, ich kann sie nur nicht jederzeit im selben Maße und sofort befriedigen.

Diese Erkenntnis hat mir geholfen, mein schlechtes Gewissen zu bändigen und meinen Anspruch an mich selbst zu hinterfragen, anzupassen, zu regulieren.

Jede der Zwillingsherzdamen, hat ihre exklusive Zeit mit mir als Mama. Zweisamkeit, ob beim gemeinsamen Lesen oder Kuscheln, Spielen oder Eis essen. Die Eine möchte mehr mit mir kuscheln, während die Zwillingsschwester lieber mit mir quatscht und ich dabei den Rücken kraulen soll. Die Eine möchte mit mir gemeinsam etwas erleben, während die Zwillingsschwester lieber mit mir gemeinsam auf dem Sofa bei einem Buch oder vor dem Fernsehen liegt. Beides hat seine eigene Qualität. Beides ist wertvoll. Es ist nicht gleich, nicht vergleichbar, aber dass muss es auch nicht sein. Jedes Bedürfnis wird auf seine eigene Weise befriedigt.

Ich versuche diese Zeit, ganz allein mit Mama, so gerecht wie eben möglich zu verteilen. Das gelingt oft, aber auch nicht immer. Doch ich weiß nun, dass meine Kinder es einfordern, wenn sie es brauchen. Ich weiß, dass ich das schlechte Gewissen und den Anspruch an die Behandlung im gleichen Maße nie ganz los werden werde. Aber ich weiß auch, dass ich mich daran nicht aufreiben muss.

Nun bin ich natürlich gespannt, wie Du mit diesem schlechten Gewissen umgehst. Ist es vorhanden und welche Lösungen hast Du für Euch gefunden?

Unterschrift Inga Es sind zwei

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