Bereits in der Zwillingsschwangerschaft wird sie kontrolliert – die Gewichtszunahme der Babys. Auch nach der Geburt bleibt die Entwicklung der Zwillingsbabys ein wichtiges Thema. Je nach Gewichtsentwicklung werden Zwillingseltern gebeten, voll oder teilweise zuzufüttern, um eine ausreichende Gewichtszunahme zu unterstützen. In einem Fütterungsprotokoll bei Zwillingen werden alle Mahlzeiten mit Uhrzeit und Trinkmenge dokumentiert und ausgewertet. Dadurch kann schnell Druck entstehen, vorgegebene Mengen einzuhalten. Wie Du Dir diesen Druck nehmen kannst und trotz Fütterungsprotokoll die Bedürfnisse Deiner Kinder achtsam im Blick behältst, erfährst Du in diesem Beitrag.
Die Wachstumskurve bei Zwillingsbabys
Sind Deine Zwillinge geboren werden, im Rahmen der Kinderuntersuchungen zu festgelegten Zeitpunkten, die Gewichte der Kinder gemessen und in standardisierte Wachstumskurven eingetragen. Abhängig vom Geschlecht Deiner Kinder, der Ernährung und dem Zeitpunkt der Geburt, aber auch bei bestimmten Erkrankungen wie dem Down Syndrom können entsprechende Wachstumskurven genutzt werden. Diese ermöglichen dem Fachpersonal eine Einschätzung der Gewichtsentwicklung und daraus resultierend Empfehlungen für das mögliche Zufüttern. Der Verlauf der Gewichtsentwicklung wird in den Wachstumskurven protokolliert und ist für Dich im gelben Kinderuntersuchungsheft jederzeit einsehbar.
Das Fütterungsprotokoll bei Zwillingen verstehen
Gerade in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt, wird die Gewichtsentwicklung stark kontrolliert. Noch mehr, wenn Deine Zwillinge als Frühgeborene das Licht der Welt erblickt haben. Entscheiden die Ärzte, dass Deine Kinder voll- oder teilweise mit Muttermilch oder Säuglingsnahrung zugefüttert werden müssen, wird ein Fütterungsprotokoll eingeführt. Hierin wird vermerkt zu welchem Zeitpunkt, welche Mengen von jeweils jedem Zwilling getrunken wurden. Hinzu kommen altersabhängige Mengenangaben, die jeweils an die Kinder gefüttert werden sollen. Teilweise werden die Fütterungsprotokolle durch zusätzliche Wiegeproben ergänzt, so dass vor und nach dem Füttern das Gewicht der Kinder bestimmt und eingetragen wird.
Fütterungsdruck bei Zwillingen: Wenn Zahlen den Alltag bestimmen
Das Thema Gewichtszunahme und notwendige Fütterungsmenge, nimmt, wie Du Dir vorstellen kannst, von Tag zu Tag immer mehr Raum bei uns Eltern ein. Und für manche von uns endet es in einer Art Fütterungsdruck. Mit jedem Tag den wir füttern, mit jedem Tag der unzureichenden Zunahme, mit jeder Mahlzeit, die sich nicht vollständig trinken, steigt der Druck. Wir machen uns Gedanken, Sorgen und konzentrieren uns mehr und mehr auf Mengen, Gewichte, Zunahme… Wir vergleichen mehr und mehr:
- Haben sie heute die vorgegebenen 70 ml pro Mahlzeit getrunken?
- Warum trinken sie jetzt nicht, die letzte Mahlzeit ist doch bereits x Stunden her?
- Warum trinkt ein Zwilling mehr als das Andere?
Die Gedanken kreisen immer mehr und damit steigt der Fütterungsdruck. Dieser wird häufig zusätzlich verstärkt, wenn die Kinder, für die Entlassung aus dem Krankenhaus, ein bestimmtes Zielgewicht erreicht haben müssen. Oder wenn sie im Vergleich zu anderen Kindern oder gar ihrem Zwilling besonders zart sind und dies immer wieder durch Fachpersonal oder das Umfeld betont wird. Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, dass sie diesem Fütterungsdruck mehr oder weniger ausgeprägt unterliegen. Sie möchten das Beste für ihre Kinder und alles tun, damit diese sich gut und anhand der von den Ärzten kommunizierten Werte entwickeln. Unterschwellig kann der Fütterungsdruck dazu führen, dass wir immer öfter unseren Kindern mehr anbieten, als sie in dem Moment bedürfen. Dass wir sie über ihren Bedarf hinaus füttern.
Die Bedürfnisse von Zwillingsbabys im Blick behalten
Um unseren Blick auf den Bedarf unserer Babys zu richten, folgend ein paar Überlegungen: Wir Menschen und auch unsere Babys sind keine Roboter. Erwachsene und Kinder trinken und essen nicht zu vorgegebenen Zeitpunkten, immer dieselben Mengen. Wir haben Tage an denen trinken wir mehr als drei Liter Wasser, an anderen Tagen kommen wir nicht einmal auf 1,5 Liter. Mit Sport sind wir durstiger, als ohne Sport. Im Sommer trinken wir mehr, als im Winter, am Morgen mehr als am Abend… Und ebenso ist es bei unseren Kindern. Sie haben Phasen in denen sie mehr Nahrung benötigen, als in anderen Phasen. Sie machen Entwicklungssprünge in denen sie mehr Energie verbrauchen.
Auch Erkrankungen oder die Außentemperaturen können dazu führen, dass sie anders als vorher trinken. Mehr oder weniger. Wenn wir uns all diese Aspekte zusammenfassen, dann stellt sich die Frage: Warum sollte ein Baby beispielsweise alle zwei Stunden und das über Tage hinweg genau 70 Milliliter Milch trinken? Wie würde es Dir gehen, wenn Du alle zwei Stunden eine definiert Menge zu Dir nehmen sollst? Wenn Du es reflektierst, wirst Du vielleicht feststellen, dass Du Dir zwar anschaust wie viel Du über den Tag verteilt getrunken hast, aber nicht ob Du alle zwei Stunden die entsprechende Menge zu Dir genommen hast. Wäre es dann nicht sinnvoll, eben diesen Ansatz auch bei Deinen Kindern zu verfolgen?
Mit Achtsamkeit trotz Fütterungsprotokoll den Fokus finden
Könnte es also nicht viel besser für Dich sein Deinen Fokus auf die Bedürfnisse Deiner Kinder zu lenken, statt auf Gewichte und Mengen? Die Ärzte und Hebammen kontrollieren im notwendigen Maße die Zunahme, daher brauchst Du dies nicht zu übernehmen. Dies darf Dir Sicherheit geben, dass die Zunahme im Auge behalten und reagiert wird, wenn es notwendig ist. Nutzt Du das Fütterungsprotokoll bei Zwillingen, dann orientiere Dich eher an den Tagesmengen und vergleiche nicht jede Mahlzeit miteinander. Du darfst:
- Dich stattdessen voll und ganz auf Deine Kinder und ihre Bedürfnisse konzentrieren.
- Dir anschauen ob sie Hunger- oder Sättigungssignale aussenden. Wenn sie satt sind und noch nicht die Menge getrunken haben, die aktuell vorgegeben ist, dann bietest Du ihnen nach etwas Zeit nochmals die Flasche an.
- Dir anschauen ob sie eine rosige Gesichtsfarbe und aktive Wachphasen haben in denen sie Dich anstrahlen. Und zur Sicherheit kannst Du auch immer wieder einen Blick darauf werfen ob sie fünf bis sechs nasse Windeln in 24 Stunden haben.
Schau Dir an ob sie gerade einen Entwicklungssprung machen oder sich eine Erkältung anbahnt.
Dem Gewicht und der Zunahme, darfst Du ohne schlechtes Gewissen, weniger Raum geben. Du darfst den Fokus auf Deine Kinder legen und den Fütterungsdruck ablegen. Alles Gute!
Weniger Druck beim Füttern von Zwillingen
Ein Fütterungsprotokoll bei Zwillingen kann eine wichtige Unterstützung sein, um die Gewichtszunahme und Entwicklung Deiner Kinder zu begleiten. Gleichzeitig darf es nicht den Blick auf die individuellen Bedürfnisse Deiner Zwillingsbabys verstellen. Orientiere Dich an den Signalen Deiner Kinder, vertraue auf die regelmäßigen Kontrollen durch Ärzte und Hebammen und betrachte Tagesmengen statt einzelner Mahlzeiten. So kannst Du den Fütterungsdruck reduzieren und Dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Bedürfnisse und das Wohlbefinden Deiner Kinder. Alles Gute!
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FAQ: Fütterungsprotokoll bei Zwillingen
Muss ich meine Zwillinge bei jeder Mahlzeit exakt die vorgegebene Menge trinken lassen?
Nein. Die empfohlenen Trinkmengen dienen als Orientierung, nicht als starre Vorgabe. Wie Erwachsene haben auch Zwillingsbabys Tage, an denen sie mehr oder weniger Hunger haben. Wichtig ist vor allem die Gesamtentwicklung, die Gewichtszunahme und das allgemeine Wohlbefinden der Kinder. Sprich bei Unsicherheiten immer mit Deiner Hebamme oder Deinem Kinderarzt.
Was kann ich tun, wenn ein Zwilling deutlich weniger trinkt als sein Geschwisterkind?
Es ist völlig normal, dass Zwillinge unterschiedliche Trinkmengen benötigen. Jedes Kind hat seinen eigenen Stoffwechsel, sein eigenes Temperament und individuelle Bedürfnisse. Entscheidend ist nicht der Vergleich zwischen den Geschwistern, sondern ob sich jedes Kind entlang seiner eigenen Entwicklung gut entwickelt und ausreichend zunimmt.
Wie kann ich den Fütterungsdruck bei Zwillingen reduzieren?
Versuche, Deinen Fokus nicht ausschließlich auf Milliliterangaben und Gewichtswerte zu richten. Achte stattdessen auf Hunger- und Sättigungssignale, nasse Windeln, Wachphasen und das allgemeine Wohlbefinden Deiner Kinder. Das Fütterungsprotokoll kann eine hilfreiche Unterstützung sein, sollte aber nicht den Alltag bestimmen. Die regelmäßigen Kontrollen durch Fachpersonal geben zusätzliche Sicherheit.













