Die Welt der Zwillinge ist ein spannendes Forschungsfeld, das Wissenschaftler weltweit beschäftigt und immer wieder neue Erkenntnisse hervorbringt. Heute beschäftigen wir uns mit einer Studie, die den Zusammenhang zwischen mütterlicher Ernährung und der Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft untersucht hat.
Steigt durch die Ernährung die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft?
Weltweit ist die Zahl der Zwillingsschwangerschaften über viele Jahre gestiegen. Als mögliche Gründe gelten unter anderem das steigende Alter werdender Mütter sowie Hormonbehandlungen und Verfahren der künstlichen Befruchtung wie die In-vitro-Fertilisation (IVF).
Der Mediziner Gary Steinman aus New York beschäftigte sich ebenfalls mit der Frage, welche Faktoren die Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft beeinflussen können. In einer 2006 veröffentlichten Studie untersuchte er dabei unter anderem den möglichen Zusammenhang zwischen Ernährung, dem insulinähnlichen Wachstumsfaktor IGF und der Häufigkeit von Zwillingsschwangerschaften.
Dafür verglich er Frauen, die sich vegan ernährten, mit Frauen, die tierische Produkte konsumierten. In seiner Untersuchung war die Zwillingsrate bei vegan lebenden Frauen deutlich niedriger als bei Vegetarierinnen und Frauen mit Mischkost. Steinman vermutete einen Zusammenhang mit dem sogenannten IGF.
Doch was genau steckt dahinter?
Was hat IGF mit Zwillingen zu tun?
IGF steht für insulinähnliche Wachstumsfaktoren. Diese spielen unter anderem eine Rolle beim Wachstum und bei verschiedenen Stoffwechselprozessen.
Steinmans Hypothese war, dass ein höherer IGF-Spiegel die Wahrscheinlichkeit einer sogenannten dizygoten Zwillingsschwangerschaft – also von zweieiigen Zwillingen – beeinflussen könnte. Hintergrund ist die Annahme, dass IGF unter anderem die Funktion der Eierstöcke und damit die Freisetzung von Eizellen beeinflussen kann.
IGF wird unter anderem im menschlichen Körper gebildet. In der damaligen Diskussion wurde außerdem untersucht, welche Rolle tierische Lebensmittel, insbesondere Milchprodukte, für den IGF-Spiegel spielen könnten.
Ernährung als möglicher Einflussfaktor auf Zwillinge
Die Ergebnisse der Studie sind interessant, sollten aber mit etwas Abstand betrachtet werden. Sie zeigen einen Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Zwillingsrate, beweisen aber nicht, dass eine bestimmte Ernährung direkt zu einer Zwillingsschwangerschaft führt.
Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Dazu gehören beispielsweise die genetische Veranlagung, das Alter der Mutter und medizinische Kinderwunschbehandlungen.
Die Frage, ob und in welchem Ausmaß die Ernährung tatsächlich die Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsschwangerschaft beeinflusst, ist deshalb komplexer, als es die ursprünglichen Studienergebnisse vermuten lassen.
Und was bedeutet das für Deutschland?
In der ursprünglichen Studie spielte auch die Verwendung von Wachstumshormonen in der Rinderhaltung eine Rolle in der Hypothese zu den unterschiedlichen IGF-Werten.
Für die Einordnung der Ergebnisse ist deshalb auch der jeweilige Kontext wichtig. Die Bedingungen in den USA lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragen.
Was sollten Zwillingsschwangere bei der Ernährung beachten?
Unabhängig davon, ob eine Zwillingsschwangerschaft durch natürliche Empfängnis oder eine Kinderwunschbehandlung entstanden ist, gilt: Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig.
Gerade in einer Zwillingsschwangerschaft hat der Körper besondere Anforderungen. Eine gute Versorgung mit wichtigen Nährstoffen gehört deshalb zu einer gesunden Schwangerschaft.
Eine bestimmte Ernährungsform zu wählen, um die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge zu erhöhen oder zu senken, lässt sich aus der damaligen Studie nicht ableiten.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass Du Dich als Zwillingsschwangere gesund, ausgewogen und abwechslungsreich ernährst und Deine individuelle Ernährung mit Deiner Ärztin, Deinem Arzt oder Deiner Hebamme besprichst.
Kurz gesagt
Die Forschung zeigt, dass neben genetischen und medizinischen Faktoren möglicherweise auch Umwelt- und Ernährungsfaktoren mit der Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft zusammenhängen können. Die Studie von Gary Steinman liefert dazu eine interessante Hypothese rund um Ernährung und IGF – sie ist jedoch kein Beleg dafür, dass man durch eine bestimmte Ernährung gezielt Zwillinge bekommen kann.
Zwillingswissen bleibt also spannend – und die Frage, warum manche Frauen Zwillinge bekommen und andere nicht, ist längst nicht vollständig beantwortet.
Quellen:
- https://www.researchgate.net/publication/7003773_Mechanisms_of_twinning_VII_Effect_of_diet_and_heredity_on_the_human_twinning_rate
- https://karger.com/and/article-abstract/65/3/99/42049/Die-Physiologie-des-Wachstums?redirectedFrom=PDF
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1. Kann ich durch meine Ernährung die Wahrscheinlichkeit für Zwillinge erhöhen?
Nein. Es gibt keine Ernährung, die nachweislich gezielt zu einer Zwillingsschwangerschaft führt.
2. Was sollten Zwillingsschwangere bei der Ernährung beachten?
Zwillingsschwangere sollten auf eine ausgewogene, abwechslungsreiche und nährstoffreiche Ernährung achten.
3. Welche Lebensmittel sind in einer Zwillingsschwangerschaft besonders wichtig?
Wichtig ist eine vielseitige Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Flüssigkeit.

















Huhu!
Interessanter Artikel! Ernährung ist durchaus relevanter für jegliche Lebensbereiche, als man es annehmen mag.
Bei der Umfrage hingegen fehlt mir die Option Pescetarisch oder fleischlos. Ich selbst esse kein Fleisch, aber noch Fisch und Meeresfrüchte. Ob dieser für die Hormonproduktion als „tierisches Lebensmittel“ gelten mag, wird nicht ersichtlich, dennoch könnte es allgemein interessant sein, das bei der Umfrage zu sehen. 🙂
Vielen Dank für den Artikel! Gerne öfter sowas.
Liebe Grüße
Limo