Sie werden so schnell groß – Über ambivalente Gefühle als Zwillingsmama

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©Aleksandr Kichigin, canva.com

Die ersten Jahre mit den Zwillingen waren gefüllt. Gefüllt von Liebe, aber auch Fürsorge. So sehr die Kinder bereichern und gewünscht waren, an manchen Tagen glich und gleicht das Leben als Zwillingsmama einem Roboterdasein. Zwei Kinder pflegen, versorgen, den Alltag begleiten, Bedürfnissen gerecht werden, Beschäftigungen arrangieren, Termine planen, den Haushalt wuppen. Zwillingseltern, überhaupt Eltern, bleibt manchmal kaum die Luft zu atmen. Wir sehen uns nach Freiheiten und können kaum erwarten, dass die Kinder mobiler werden, autonomer werden. Wir sehnen uns nach Freiheiten, nach uns selbst und dann wenn wir Freiheiten gewinnen, kommt das große Vermissen. Sie werden so schnell groß – Über ambivalente Gefühle als Zwillingsmama ein Gedankenspiel von Inga:

Hach du schöne Babyzeit

Endlich halten wir diese kleinen Menschlein in den Armen. So lange haben wir darauf gewartet und dann sind sie da und stellen das komplette Leben und Sein auf den Kopf. Zwei Menschlein brauchen uns 24 Stunden, 7 Tage die Woche, 12 Monate im Jahr und so sehr uns dies erfüllt, so sehr zerrt es an unseren Kräften. Wir sehen uns nach mehr Freiheiten, nach Momenten ohne Fremdbestimmung, ohne den großen Druck der Verantwortung. Nach Schlaf. Nach Me Time. Nach uns selbst.

Sie werden so schnell groß: Kita, wir kommen

Nach einer gewissen Zeit, wenn die ersten Monate und Jahre mit Zwillingsbabys vorbeigezogen sind, ruft ein neuer Abschnitt, die Phase der externen Kinderbetreuung. Für einige Stunden am Tag geben wir unsere Kinder in eine Kita oder zu einer Tagesmutter und erhoffen uns ein Aufatmen. Ein paar Momente des In-Sich-Ruhens, der Me Time. Die Vorfreude auf mehr Freiheit lockt und doch fällt manchen von uns das Loslassen schwer. Teile der Verantwortung abgeben, unsere Liebsten in fremde Hände geben, Kontrolle aus der Hand geben, Momente und Erlebnisse nicht mit ihnen teilen zu dürfen, viele Gefühle und neue Entwicklungen stürzen auf uns ein.

Wir gehen wieder arbeiten und es gibt eine Auszeit, einen Care-freien Kopf. Doch dann rotieren wir zwischen Beruf und Carearbeit und auch dies ist eine neue Stufe an Herausforderungen. Wir finden uns ein und doch bleibt manchmal kaum die Zeit etwas Luft zu holen. Wir jonglieren den neuen Alltag mit neuen Strukturen und Abläufen, begleiten die Kinder in einer neuen autonomeren Phase.

Statt das wir Freiheiten gewonnen haben, fangen wir an die „kitafreie“ Zeit zu vermissen. Weniger Taktung, mehr in den Tag hineinleben, weniger Fremdbestimmung von Außen…doch diese Zeit ist vergangen. Wir schauen vielleicht zurück mit einem weinenden Auge, an eine Zeit in der wir uns vollkommen und ausschließlich auf die Kinder konzentrieren konnten. In denen wir jeden noch so kleinen Entwicklungsschritt, jedes Erlebnis gemeinsam geteilt haben.

Sie werden so schnell groß: Endlich Schulkinder

Vor der Schulzeit können wir kaum erwarten, dass unsere Kinder zu Schulkindern werden. Sie größer, unabhängiger, selbstständiger werden. Sie lesen und schreiben lernen, sie sich öfter mit Freunden treffen, auch einmal alleine etwas unternehmen, eine Nacht woanders übernachten und wir Momente für uns gewinnen. Momente in denen wir entscheiden können, was wir machen, ohne Zeitdruck, Familienplänen und Aufgaben im Kopf.

Und dann ist sie da die Schulzeit und allzu schnell sind wir in festen Strukturen gefangen. Haben mehr statt weniger Todos, müssen Hausaufgaben betreuen, können Urlaube nicht spontan planen, müssen einen neuen Alltag bewältigen. Und dann kommt die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach der entspannten Kitazeit. Der Zeit in der wir entscheiden konnten, ob und wann die Kinder in die Kita gehen, wann wir sie abholen, in den Nachmittag lebten, so wie es eben gerade passte. Eine Zeit in der sie uns in die Arme fielen wenn wir sie abholten, glücklich wieder bei Mama und Papa zu sein.

Als Schulkinder werden die Kinder Stück für Stück unabhängiger und selbstständiger. Sie treffen ihre Freunde, sind öfter alleine unterwegs, brauchen uns Tag für Tag immer ein kleines Stückchen weniger. Sie kommen nach Hause, schmeißen den Schulranzen in die Ecke und verschwinden in ihrem Zimmer oder zu Freunden. Sie kommen später nach Hause und die Zeit gemeinsam wird seltener und auch seltener von ihnen gewünscht. Zwar bleiben wir ihr Fels in der Brandung, der Ankerpunkt und doch schwimmen sie immer öfter und weiter weg.

Und da ist sie wieder die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach gemeinsamer Zeit, die Sehnsucht nach gemeinsamen Nachmittagen und Wochenenden. Nach Kuscheln und gemeinsam Lesen oder Spielen. Bei allem Stolz auf unsere Kinder, bei aller Freude über ihre Entwicklungen, bei allem Glück, was für wunderbare Persönlichkeiten sich entwickeln, bei aller Freiheit die wir nun nach langer Zeit gewonnen haben, bleibt die Ambivalenz der Gefühle…der Sehnsucht und des Vermissens vergangener Tage.

Genieße den Moment, lese ich immer…lebe im Moment, denn die Zeit geht so schnell vorbei.

So leicht gesagt und doch so schwer. Denn in dem Moment fühlt es sich vielleicht nicht so an, als könnte man genießen. Es fällt schwer, immer und ständig im Moment zu sein, diesen zu fühlen. An anderen unbeschwerten Tagen ist es leicht und wir fühlen das Glück des Momentes. Doch an anderen Tagen rasen diese einfach an uns vorbei, ein Innehalten ist uns nicht möglich.

Jetzt, wo ich bereits viele Freiheiten als Zwillingsmama gewonnen habe, mir meine Zeit nehmen kann, mich wieder mehr auf mich und meine Wünsche konzentrieren kann, da schaue ich nach Monaten oder Jahren zurück auf die vielen erlebten Momente die an mir vorbeigezogen sind und wünschte mir viele davon noch einmal zurück.

Das ist sie die Ambivalenz des Zwillingselterndaseins. Sie scheint ein Teil des Lebens als Eltern zu sein, eine neue, persönliche Herausforderung mit der wir lernen müssen umzugehen.

Jetzt wo die gemeinsamen Momente seltener werden, kann ich sie sehr bewusst genießen, viel bewusster als zuvor. Vielleicht liegt es an der gewonnenen Freiheit, an dem Wissen, dass die Zwillingsherzdamen immer weiter fliegen und schwimmen, sie immer weniger unsere Hilfe brauchen, an der Zeit in der meine Gedanken in Ruhe einmal schweifen können…ich weiß es nicht. Doch was ich weiß ist, dass ich nun Momente ganz fest in mein Herz schließe, denn irgendwann in nicht allzu langer Zeit, habe ich vielleicht viel mehr Freiheit gewonnen, als ich es mir in den letzten 12 Jahren hätte vorstellen können.

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