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„Mit Zwillingen ist nix mit Genießen“. Zack, der Satz hat gesessen. Ich, in den letzten Zügen meiner Zwillingsschwangerschaft, mir gegenüber eine Zwillingmama. Kurz zuvor hatte ich ihr gesagt, wie sehr ich mich auf die Jungs freue. Und dann dieser Satz. Ich hatte mir immer Zwillinge gewünscht, zwar beim ersten Kind, aber hey, dann eben später. In mir ist in diesem Moment der Rebell erwacht. Die spinnt wohl, habe ich gedacht. Ich werde es genießen, jetzt erst recht! Was soll ich sagen, meine Jungs sind mittlerweile 15 Monate alt und ich liebe unseren wilden, turbulenten Alltag zu fünft. Das Leben steht Kopf, der Haushalt auch. Meine Priorität: die Kinder. Jeder Tag ist kostbar und keiner kommt zurück. Das ist meine Einstellung, meine innere Haltung. Simone´s Erfahrungsbericht Zwillingsalltag meistern:

Die Macht der inneren Haltung

Diese innere Haltung beeinflusst, was ich denke, fühle und wie ich mich verhalte. Und umgekehrt. Verrückt, wie mächtig Gedanken sind!

Das Umfeld als Spiegel unserer Gedanken

Die Herausforderung: keiner von uns ist allein auf der Welt. Wir befinden uns in der Gesellschaft, im Job, in einem bestimmten Freundes- und Familienkreis. Alles, was darin unausgesprochen oder ausgesprochen kommuniziert wird, macht etwas mit uns. Denk mal an ein Mobilé. Wenn du dort ein Teilchen anstößt, bewegen sich auch die anderen mit. Heißt wir können unser Umfeld beeinflussen, werden aber auch entsprechend von außen bewegt – ob wir wollen oder nicht.

Schwangerschafts-Erfahrungen und die Kraft positiver Gedanken

Ein Beispiel dazu aus der Schwangerschaft: Ich hatte eine Mono-Di-Schwangerschaft. Zwei Fruchthüllen, eine Plazenta, eineiige Zwillingsjungs. Laufend standen Diagnostiktermine an. Und in jedem dieser Termine war irgendetwas zu finden, was uns schlaflose Nächte bereitet, sich letztendlich aber verflüchtigt hat. Mein Gefühl? War eigentlich ausgezeichnet. Irgendwann war ich es leid, mir ständig Sorgen zu machen. „Ich bleibe bei mir“ habe ich mantraartig wiederholt. Und es hat geholfen. Mein Gefühl hat mich noch nie im Stich gelassen. Warum also nicht darauf hören und die Gedanken in eine positive Richtung lenken?

Intuition in herausfordernden Situationen

In manchen Situationen mag das funktionieren, andere sind so herausfordernd, dass das Denken etwas auf der Strecke bleibt. Im Idealfall hilft dann die Intuition. Zum Beispiel bei der Geburt. Ich habe meiner Intuition vertraut. Meine größte Angst war in dem Moment, dass der führende Zwilling stecken bleibt. Wo die Angst her kam? Keine Ahnung, sie war plötzlich da. De facto hatte der Zwerg sich in letzter Minute zum Sternenkucker gedreht und mein Körper einen Wehenstillstand fabriziert. Gut gemacht. Also Kaiserschnitt. Und ich? Tiefenentspannt. Gedanklich war ich vorbereitet. Ich wusste theoretisch, was auf mich zukommt. Meine Frage „Schneiden Sie schon?“ führte zu Lachen im OP. „Nein, es ist noch nicht mal ihr Mann da.“ Achso. Später habe ich die Rückmeldung bekommen, die mich fortan begleiten sollte: „Sie waren erstaunlich gelassen.“

Persönliche Entwicklung: Von Impulsivität zu Gelassenheit

Ich war früher alles andere als gelassen. Eher aufbrausend, impulsiv. Und ich fand es ätzend, wenn andere so waren wie ich. Im Laufe der Jahre bin ich merklich ruhiger geworden. Vielleicht, weil es Momente gibt, die ich ohnehin nicht ändern kann. Und weil es oft nervenschonender ist, Schritt für Schritt vorzugehen und sich nicht aufzuregen. Ich habe gelernt, dass ich so vieles schaffen kann und im Leben schon geschafft habe.

Alltag mit Kindern: Kreative Lösungen 

So geht es mir auch im Alltag mit den drei Kindern. Irgendwie gibt es immer kreative Lösungen, alle drei unter einen Hut zu bringen. Das gelingt mir nicht immer optimal, aber meistens recht gut. Zumindest bis 17:30 Uhr. Wenn mein Mann nach Hause kommt, zeige ich durchaus Nerven. Dann mag ich auch mal müde und kaputt sein. „Wir hatten einen schönen Tag, tut mir leid, dass du’s gerade nicht merkst.“ Keiner ist unfehlbar und das ist auch total in Ordnung.

Veränderung durch Gedankenmuster

Das Leben verändert uns, unsere Einstellungen, unsere Denkweisen. All das, was wir an Erfahrungen sammeln, führt zu Gedanken- und Verhaltensmustern, die wir bis zur Perfektion eingeübt haben. Auf diesen „Gedankenautobahnen“ fühlen wir uns wohl.

Bewusstes Reagieren: Den Raum zwischen Reiz und Reaktion nutzen

Stell dir vor, jemand sagt etwas zu dir, was dich sehr ärgert. Du wirst darauf reagieren, wie du es immer tust. Zack, ungebremst rauf auf die Gedankenautobahn. Jetzt stell dir aber mal vor, da läge ein Raum zwischen Reiz und Reaktion. Jemand sagt also etwas zu dir, was dich ärgert. Und du reagierst nicht wie gewohnt, sondern hältst ganz kurz inne und denkst über deine Reaktion nach. Vielleicht fährst du dann gedanklich nicht wie früher mit 180 km/h auf die Gedankenautobahn, sondern bremst zumindest kurz ab. Irgendwann wird es dir gelingen, vor der Auffahrt anzuhalten und vielleicht sogar neue Trampelpfade anzulegen. Bis daraus wieder automatisierte Gedankenautobahnen werden, dauert das. Es braucht eine Portion Geduld und Selbstliebe.

Selbstreflexion: Der Chef deiner Gedanken sein

Du bist also der Chef deiner Gedanken. Wie möchtest du die Welt sehen? Ist dein Glas halb voll, oder halb leer? Bist du eher Schwarzmaler oder hoffnungsloser Optimist? Was erwartest du von dir, was von anderen? Und ist es eigentlich fair, sich selbst als Maßstab für andere zu sehen? Denk an den eingangs erwähnten Satz – nur weil die andere Zwillingsmama vielleicht das Gefühl hat, dass sie mit Zwillingen nichts genießen kann, muss es mir doch nicht auch so gehen?

Praktische Tipps: Grenzen setzen und Gedanken steuern

Was kannst du nun konkret machen, um dich abzugrenzen von den Meinungen anderer, von Dingen, die von außen an dich herangetragen werden, von Sorgen, von eigenen Glaubenssätzen?

  • Setz dir ein konkretes Ziel: von was möchtest du dich distanzieren, was möchtest du wie bis wann verändern?
  • Grenzen setzen:
    • Stell dir ein Stoppschild vor, wenn Gedanken kommen, die du nicht haben möchtest
    • Signalisiere deinem Gegenüber sachlich und klar, dass du anderer Meinung bist
  • Schick Gedanken auf die Reise:
    • Verpacke sie gedanklich in einen Koffer, den du aus deinem Blickfeld schiebst
    • Stell dir vor, ein Gedanke wäre ein Tab am Laptop, den du einfach schließt
    • Lass einen Gedanken in einer Nussschale oder einem Boot flussabwärts treiben
    • …. die Möglichkeiten sind grenzenlos. Lass deiner Fantasie freien Lauf
  • Arbeite mit „Ankern“, mit etwas, das dich an deine innere Haltung, deine Ambitionen erinnert. Das kann ein Lied, ein Bild, ein Schlüsselanhänger, eine Affirmation etc sein.
  • Hinterfrag dich kritisch: ist deine Reaktion wirklich gerechtfertigt?
  • Such dir Vertraute, die dich an deine Ziele erinnern und dich ermutigen neue Wege zu gehen

Glaub an dich. Glaube versetzt Berge 😊.

Die Autorin:

Simone Franze
Zwillingsmama, Dreifachmama, Pädagogin, Resilienztrainerin
www.gemeinsam-zum-einklang.de

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