Eine Zwillingsfotografin versteht es, die einzigartigen Momente und Herausforderungen von Zwillingsfamilien einzufangen. Sie schafft authentische, lebendige Bilder, die die enge Verbindung, das Chaos und die Liebe im Familienalltag sichtbar machen.
Für Familien mit Mehrlingen sind diese Fotos wertvolle Erinnerungen an ihre Stärke und Verbundenheit – echte Momente, die im Alltag oft verloren gehen.
In diesem Interview spricht Jana-Nita, selbst Zwillingsmama darüber, warum Fotos für Zwillingsfamilien so viel bedeuten und wie sie als Zwillingsfotografin diese besonderen Geschichten festhält:
Magst du dich kurz vorstellen – wer bist du, wo lebst du und wer gehört zu deiner Familie?
Gerne. Ich bin Jana-Nita, Mama von Zwillingen und Fotografin mit dem Fokus auf Zwillingsfamilien. Ich lebe mit meinen beiden Kindern und meinem Partner in Berlin.

Wie alt sind deine Zwillinge und wie würdest du euer Familienleben in drei Worten beschreiben?
Meine Zwillinge werden 5. Unser Familienleben ist chaotisch, liebevoll, und intensiv.
Was hat dich persönlich am meisten überrascht am Zwillingselternsein?
Wie viele Gegensätze gleichzeitig da sind: Liebe und Erschöpfung, Nähe und Überforderung. Und wie sehr man über sich hinauswächst.
Wann hast du gemerkt, dass du dich auf Zwillingsfamilien spezialisieren möchtest?
Das ist über die Zeit gewachsen. Je tiefer ich selbst im Zwillingsalltag steckte, desto klarer wurde mir, wie besonders und gleichzeitig wie unsichtbar diese Familien oft sind. Wie viel gleichzeitig passiert, wie wenig Raum bleibt und wie sehr sich Eltern, vor allem Mütter, selbst dabei verlieren können.
Ich habe gemerkt, dass mich genau diese Dynamik berührt: die enge Verbindung der Zwillinge, die Gleichzeitigkeit von Nähe und Chaos, die enorme emotionale und körperliche Leistung der Eltern. Und dass ich einen Blick dafür entwickelt habe, der versteht, wie sich das wirklich anfühlt, nicht romantisiert, sondern ehrlich.

Inwiefern hat das Mama-Sein mit Zwillingen deinen Blick durch die Kamera verändert?
Das Mama-Sein mit Zwillingen hat meinen Blick geschärft: Ich fotografiere nicht nur das Offensichtliche, sondern das, was zwischen den Momenten passiert: Nähe, kleine Berührungen, flüchtige Blicke, die sonst untergehen. Besonders, wenn man ständig für zwei da ist.
Was verstehst du unter „authentischer Familienfotografie“?
Unter authentischer Familienfotografie verstehe ich Bilder, die sich echt anfühlen, nicht perfekt, nicht inszeniert. Es geht nicht darum, dass alle in die Kamera lächeln oder alles „schön“ ist, sondern darum, wie Familie sich wirklich anfühlt. Nähe, Chaos, Zärtlichkeit, Überforderung, Lachen – all das darf Platz haben.

Wie schaffst du es, dass sich Eltern und Kinder vor deiner Kamera entspannen?
Für mich beginnt Entspannung lange vor dem eigentlichen Fotografieren. Ich nehme mir Zeit, zuzuhören und zu verstehen, wie der Alltag der Familie gerade ist, welche Herausforderungen sie haben oder welche Rituale ihnen wichtig sind. Dieses Gefühl von „verstanden werden“ nimmt viel Druck raus.
Während des Shootings gibt es keine starren Anweisungen und kein „Jetzt bitte lächeln“. Die Kinder dürfen sein, wie sie sind, und die Eltern müssen nichts leisten. Ich begleite eher, als dass ich leite. Nach einiger Zeit vergisst die Familie oft ein bisschen, dass ich gerade Fotos mache.

Vor allem aber nehme ich die Erwartung von Perfektion bewusst raus. In Zwillingsfamilien laufen meist viele Dinge parallel. Eltern sind permanent in Bewegung, und Emotionen können sich schnell hochschaukeln bei Kindern wie bei Eltern. Als Zwillingsmama kenne diese Dynamiken aus eigener Erfahrung. Wenn Eltern merken, dass Chaos, Lautstärke und echte Emotionen willkommen sind, entsteht automatisch Entspannung. Nähe, Verbindung und echte Momente passieren ganz von selbst und genau die halte ich fest.
Wie sehen Familienfotos bei euch zu Hause aus – perfekt oder lebendig?
Unsere Familienfotos sehen unperfekt aus, chaotisch und voller Leben. Und genau das machen sie für mich so wertvoll. Ich greife oft zur Kamera, um die kleinen alltäglichen Dinge festzuhalten: unsere Rituale, wie das Brötchenbacken am Sonntag oder das kreative Spiel der Kinder im Wohnzimmer. Außerdem stelle ich regelmäßig die Kamera auf Selbstauslöser und platziere sie im Raum, um einfach einzufangen, was gerade passiert.

Gibt es einen Moment mit deinen Zwillingen, von dem du dir wünschst, er wäre fotografisch festgehalten worden?
Ja, das Wochenbett. Die ersten Tage nach dem Krankenhaus waren ein einziges Chaos – Überforderung, Schlafentzug, Gefühle, die alles überwältigten. Heute gibt es wenige Fotos, und ich erinnere mich wie durch einen Schleier. Genau solche Momente werden im Rückblick unglaublich wertvoll, weil sie später zeigen, wie intensiv, fordernd und gleichzeitig liebevoll die erste Zeit mit den Kindern war.
Für welche Familien ist dein Angebot besonders passend?
Mein Angebot ist besonders passend für Familien, die sich echte, ungestellte Erinnerungen wünschen.
Welche Art von Shootings bietest du an?
Ich begleite die unterschiedlichen Phasen des Familienlebens: von der Schwangerschaft und Geburt über das Wochenbett und das erste Babyjahr bis hin zum ganz normalen Familienalltag. Aber auch besondere Anlässe wie Geburtstage oder Einschulungen können eine gute Gelegenheit sein.
Welche Tipps gibst du Zwillingseltern, die unsicher sind, ob ein Shooting „jetzt schon Sinn macht“?
Viele Eltern sagen im Nachhinein, dass sie froh sind, es nicht aufgeschoben zu haben. Jede Phase verändert sich so viel schneller als man denkt. Ihr müsst nichts leisten und nichts vorbereiten. So wie es jetzt ist, ist es richtig! Wartet nicht auf den „perfekten“ Zeitpunkt, der kommt im Familienleben mit Zwillingen nicht. Es darf laut, chaotisch, müde oder unfertig sein. Genau das gehört zu eurer Geschichte!
Warum sind Fotos gerade für Zwillingsfamilien aus deiner Sicht so wertvoll?
Familien mit Mehrlingen ticken einfach anders. Die Belastung nach der Geburt und in den ersten Jahren ist größer, die Herausforderungen vielfältiger. Im intensiven Alltag bleibt oft kaum Raum, diese Momente bewusst wahrzunehmen. Bilder halten nicht nur leise, liebevolle Augenblicke fest, sondern auch die Stärke der Eltern, insbesondere der Mütter, die so oft im Hintergrund bleibt. Im Rückblick schenken Fotos die Möglichkeit, innezuhalten und das gemeinsame Wachsen zu sehen. Später ist das für die Kinder ein wertvoller Schatz ihrer Geschichte, für die Eltern eine stille Bestätigung: Ich war da. Ich habe getragen, begleitet, geliebt.
Was möchtest du Zwillingseltern mitgeben, die gerade mitten im turbulenten Alltag stecken?
Durchhalten – und ihr seid damit nicht allein. Vielen hilft es sich mit anderen Zwillingseltern auszutauschen. Wenn ihr es schafft, sucht euch Entlastung und nehmt sie an. Priorisiert was Euch wirklich wichtig ist. Die ersten zwei Jahre waren bei uns hart, danach wurde vieles besser, Herausforderungen anders, der Alltag leichter.
Vergesst nicht: Ihr müsst nicht alles im Griff haben oder jeden Tag genießen. Der Alltag mit Zwillingen darf laut, chaotisch und erschöpfend sein – das bedeutet nicht, dass ihr etwas falsch macht. Ganz im Gegenteil: Ihr macht das gut. Wirklich.
@zwillingsfotografin
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